Mittwoch, 21. Januar 2026, Berliner Zeitung
Vandalismus behindert die S-Bahn
Durchtrennte Kabel und brennende Aufsichtshäuschen sorgen monatelang für Störungen
Peter Neumann
Ein S-Bahner bringt es auf den Punkt. „Ist schon schräg, was für Leute in Berlin unterwegs sind“, sagte er am Dienstag der Berliner Zeitung. Gleich zwei schwere Fälle von Vandalismus machen der S-Bahn Berlin und ihren Fahrgästen derzeit zu schaffen. Weil Glasfaserkabel durchgetrennt wurden, ist der Verkehr auf der Nord-Süd-Strecke bis Donnerstagfrüh beeinträchtigt. Die Reparaturen im S-Bahnhof Wedding, wo das Aufsichtshäuschen in Brand geriet, werden sich noch bis ins Frühjahr hinziehen.
Waren es wieder Mitglieder der die Vulkangruppe? Ein Fahrgast aus Velten, der mit der Berliner Zeitung Kontakt aufnahm, ist nicht der einzige, der diesen Verdacht hegt. „Die Ermittlungen dauern an. Bislang gibt es keine Hinweise auf einen Anschlag“, entgegnet Michael Teich, Sprecher der Bundespolizei in Berlin.
Die Erschwernisse, mit denen die S-Bahn-Fahrgäste auf der Nord-Süd-Strecke seit Montag zurechtkommen müssen, sind auch so gravierend genug. Zwischen Bornholmer Straße, Gleis 4, Gesundbrunnen, Humboldthain und Nordbahnhof, Gleis 4, beschränkt sich der Verkehr auf einen Pendelbetrieb im 20-Minuten-Takt. Die Linien S1, S2 und S25 sind in diesem Bereich unterbrochen. Sie wurden in einen Nord- und einen Südabschnitt geteilt. Die S26 verkehrt nur zwischen Teltow Stadt und Südkreuz, die S85 zwischen BER und Blankenburg. Pendler müssen öfter als sonst umsteigen und sind länger unterwegs.
Ein Bahnsprecher bestätigte, dass die Beeinträchtigungen bei der S-Bahn noch bis zum Betriebsbeginn am Donnerstag andauern. „Ab Donnerstag gegen 3.30 Uhr wollen wir wieder normal fahren“, teilte er mit. Warum dauert die Reparatur so lange? „Der Schaden ist erheblich. Zum Teil wurden armdicke Glasfaserkabel durchtrennt.“ Damit kann die Signaltechnik nicht funktionieren. Die Leitungen müssen wiederhergestellt werden. Eine Prüf- und Abnahmephase schließt sich an. Das alles braucht Zeit.
Dem Vernehmen nach fand die Tat in der Nacht zu Montag nicht im S-Bahn-Tunnel statt, sondern im oberirdischen Bereich am S-Bahnhof Humboldthain. Dort fahren die Züge in einem Einschnitt. Berichten zufolge ließ die Deutsche Bahn (DB) dort verlaufende Kupferkabel markieren, was das Risiko erhöht, bei Ermittlungen entdeckt zu werden. Ob die Täter ursprünglich Kupfer stehlen wollten und aus Wut die Glasfaserleitungen zerstörten: „Das ist eine Hypothese, zu der wir uns nicht äußern“, so die Bundespolizei.
Fahrgäste kritisierten, dass die Information unzureichend sei und nur in deutscher Sprache erteilt wird. Es fehlten Servicepersonal und Hinweistafeln, schreibt ein Leser der Berliner Zeitung. „Was tun, wenn man kein Deutsch kann in dieser tollen Weltmetropole? Warum ist die Pendelverkehrstaktung so unterirdisch schlecht?“ Das hängt mit der Länge der Strecke zusammen, deren Signale die Täter ausgeknipst haben, so die Antwort.
„Unser Streckennetz ist 340 Kilometer lang. Eine lückenlose Überwachung ist nicht machbar“, erklärte der Bahnsprecher. In neuen Tunnelanlagen wie beim BER seien die Sicherungsmaßnahmen aber auf „hohem Niveau“, betonte ein S-Bahner.
Wie berichtet belastet eine weitere Vandalismustat die S-Bahn-Fahrgäste. In der Neujahrsnacht brannte auf dem Ringbahnhof Wedding das Aufsichtsgebäude aus. Eine Annahme lautet, dass das Feuer durch Feuerwerkskörper entstand. Weil die Flammen auf das Bahnsteigdach übergriffen, musste die Statik geprüft werden. Ein Umweltgutachter befasste sich damit, ob Schadstoffe entstanden oder ausgetreten sind. Es konnte Entwarnung gegeben werden, der Wiederaufbau dauert.
Der Bahnsprecher bestätigte am Dienstag, dass die Züge der Ringlinien S41 und S42 voraussichtlich ab Anfang Februar wieder im S-Bahnhof Wedding halten werden – sofern das Wetter mitspielt und die bis dahin geplanten Arbeiten abgeschlossen sind. Die Grundsanierung werde sich dagegen noch bis ins Frühjahr hinein hinziehen. Dazu gehört auch der Abriss des ausgebrannten Aufsichtsgebäudes. „Es kann zu zeitlich befristeten Einschränkungen des S-Bahn-Verkehrs kommen“, bekräftigte ein Sprecher.
„Jemand muss Böller in das Gebäude auf dem Bahnsteig geworfen haben“, so ein S-Bahner. Sachbeschädigungen habe es immer schon gegeben. „Aber bislang blieb es meist bei zerbrochenen Glasscheiben oder ähnlich Schäden.“ Doch was nun im Bahnhof Wedding und auf der Nord-Süd-Trasse passiert sei, wäre schon eine „andere Qualität“.
Wie berichtet bleibt die S-Bahn Berlin hinter dem Ziel, eine Pünktlichkeitsquote von mindestens 96 Prozent zu erreichen, seit langem zurück. „Doch diese Marke haben wir seit 2019 in keinem Jahr erreicht“, sagte Karsten Preißel, der das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB) seit dem Tod des Geschäftsführers Peter Buchner interimistisch leitet. Er weist darauf hin, dass der Anteil von Beeinträchtigungen, für die das Unternehmen nicht verantwortlich ist, zunimmt.
So ist die Zahl der Fahrzeugausfälle in den ersten drei Quartalen 2025 um 32 Prozent gesunken. Aber bei der Leit- und Sicherungstechnik, für die DB InfraGO zuständig ist, gab es 68 Prozent mehr Ausfallkilometer. Bei Ausfällen, die durch operative, kurzfristige Baumaßnahmen oder Bauzeitüberschreitungen entstehen, ist die Steigerungsrate noch höher: 492 Prozent. Auch weil sich Personen unbefugt im oder am Gleis aufhalten, fallen immer häufiger S-Bahn-Fahrten aus. Das Plus bei den S-Bahn-Kilometern, die deshalb nicht gefahren werden können, beträgt 25 Prozent.
Weil sich Personen unbefugt im oder am Gleis aufhalten, fallen immer häufiger
S-Bahn-Fahrten aus. Das Plus der deswegen nicht gefahrenen S-Bahn-Kilometern
beträgt 25 Prozent.